Die Geschichte des roten Blitzes

Die GKB war 1951 die erste Eisenbahnverwaltung in Österreich, die mit diesem fortschrittlichen Dieseltriebwagen den Personenverkehr modernisierte. Die ÖBB entschloss sich erst 11 Jahre später, solche Triebwagen einzusetzen. Schon bald waren neun dieser Triebwagen sowie 21 Beiwagen in der Weststeiermark als der "Rote Blitz" bekannt und beliebt — nicht nur wegen seiner Rundumverglasung, die einen wunderbaren Ausblick bot — sondern auch wegen der gut gepolsterten Sitze, die man in die jeweilige Fahrtrichtung umlegen konnte.

Außerdem war die helle und freundlich rote Farbe eine wohltuende Abwechslung zu den schwarzen Dampfzügen. Die Triebwagen wurden von 1951 bis 1968 von der Waggonfabrik Uerdingen in Krefeld / Deutschland mit insgesamt 3306 Stück gebaut. Damit gelang der Uerdinger Waggonfabrik einer der größten Verkaufserfolge von Eisenbahnfahrzeugen, wurden sie doch an die verschiedensten Eisenbahnverwaltungen in aller Welt geliefert.

In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass der noch immer bei der GKB im Bestand befindliche VT 10.03 im Jahr 1955 zur Vorführung bei den mexikanischen Staatsbahnen war.

Angetrieben wird der Triebwagen von zwei Unterflur-Dieselmotoren. Jeder dieser Motoren hat eine Leistung von 150 PS. Es sind dies normale LKW-Büssing Motoren der Bauart U10. Die Kraftübertragung erfolgt über ein elektromagnetisch geschaltetes 6-Gang Getriebe zum Achsgetriebe.

Es sind dies alles Komponenten aus dem normalen LKW- und Autobusbau, die völlig problemlos, wartungsfrei und betriebssicher laufen. Als Bremsen hat der Triebwagen innenbelüftete Scheibenbremsen erhalten, die heute im Automobilbau verwendet werden. Zusätzlich ist eine Magnetschienenbremse — als Zusatzbremse, die direkt auf die Schienen wirkt — eingebaut worden.

Die Triebwagen sind mit zwei Führerständen an jedem Wagenende ausgerüstet, sodass der Triebwagenführer am Endbahnhof nur den Führerstand zu wechseln brauchte, ohne das Fahrzeug auf einer Drehscheibe wenden zu müssen. Dies brachte eine wesentliche Verkürzung der Aufenthalte in den Endbahnhöfen mit sich.

Unser Triebwagen VT 10.02 wurde am 28.4.1953 bei der GKB in Betrieb genommen und kam auf den Strecken Graz-Köflach, Graz - Wies-Eibiswald sowie auf der 1967 stillgelegten Sulmtalstrecke von Pölfing-Brunn nach Leibnitz zum Einsatz. Insgesamt legte dieser Triebwagen eine Strecke von 3,2 Millionen Kilometern zurück und wurde 1994 aus dem Verkehr gezogen.

Der VT 10.02 konnte im Jahr 1997 sozusagen vor dem Schrottplatz gerettet werden. Sehr viel Idealismus und mühevolle Kleinarbeit waren erforderlich um ihn wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Insgesamt wurden 700 Freiwilligen-Stunden investiert, davon 250 Stunden in die Lackierung – im Look der 70er Jahre mit Originallackierung und GKB-Emblem.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Es steht nun ein perfekt restauriertes Fahrzeug für Ausflugs- und Sonderfahrten zur Verfügung!